Dupuytren´sche Kontraktur / Palmarfibromatose

 

Anatomie / Pathologie
 

Hierbei handelt es sich um eine knotige proliferative Schrumpfung der Hohlhandfaszie, die einzelne Stränge in der Hohlhand ausbildet oder bis auf die Finger reichen kann. Mehrere Finger können betroffen sein und der Befall kann diskontinuierlich vorliegen. Durch die Schrumpfung kommt es anfangs zur Streckhemmung der Finger und diese geht langsam in eine Beugekontraktur über, die schließlich bis zur fixierten Faust mit in die Hohlhand eingeschlagenen Fingern führt. Der Verlauf kann sich über Jahrzehnte erstrecken oder auch in wenigen Jahren zur Gebrauchsunfähigkeit der Hand führen. Auch wenn die Erkrankung proliferativen, teils tumorösen Charakter aufweist, ist sie immer gutartig. Dennoch werden Nerven und Gefäße umwuchert und eingemauert. Eine Schrumpfung der Sehnen, wie von Patienten vermutet, liegt nie vor. Als auslösende Faktoren wurden viele verschiedene Grunderkrankungen diskutiert (Diabetes mellitus, Lebererkrankungen). Ein familiärer Faktor mit Bevorzugung des männlichen Geschlechtes ist unbestritten.

Darstellung der Palmaraponeurose und verschiedene Ausprägungen der Dupuytren´sche Kontraktur.

 

 

Behandlungsmöglichkeiten
 

Eine sichere, erfolgversprechende konservative Therapie ist nicht bekannt. Über Behandlungen mit Laser, Krankengymnastik, Dehnungsübungen und Streckschienen wird gelegentlich berichtet. Die Ergebnisse halten einer objektiven Bewertung jedoch nicht Stand. Eine Funktionsverbesserung der Hand ist nur und ausschließlich operativ zu erreichen. Die Wahl des Operationszeitpunktes ist überlegt zu treffen. Denn es ist bekannt, dass auch bei radikaler Operation mit kompletter Entfernung der Palmaraponeurose Rezidive auftreten und die Zweit- oder gar Drittoperation zunehmend schwieriger wird. Die Handchirurgen des Gelenkzentrums Rhein-Main raten daher zu einer Operation, wenn die Funktionalität der Hand im täglichen Gebrauch störend eingeschränkt ist. Hierbei handelt es sich in der Regel um Beugekontrakturen >35° im Grundgelenk und/oder 55° im Mittelgelenk der Finger. Wir empfehlen den handchirurgischen Erstkontakt, wenn der Patient den Handrücken auf eine Tischplatte auflegt und bei maximaler Streckung der Finger ein Abstand zwischen Tischplatte und Fingernagel von >5 cm misst. Dieses einfache Verfahren kann auch zur Eigenbeurteilung der Progredienz der Erkrankung durch den Patienten dienen. Bis zur Operation ist eine konsequente Hautpflege erforderlich. Unter Umständen ist präoperativ eine dermatologische Vorstellung und Pilzsanierung der Zwischenfinger- oder Fingerbeugefalten erforderlich. Je nach Ausprägung sind intraoperativ nach vollständiger Ausgradung der Finger lokale Hautverschiebeplastiken oder Vollhauttransplantationen vom Unterarm erforderlich. Zusätzliche operative Gelenklösungen können ebenfalls notwendig werden. Seit nunmehr 3 Jahren verwenden wir mit großem Erfolg die percutane Nadelfasziotomie. Hierbei werden die Stränge der Hohlhand nicht herausgelöst sondern nur auf mehreren Ebenen durch kleine Einstiche zermürbt und durchtrennt. Dieses Verfahren hinterlässt fast keine Wunden und geht mit einer nahezu narbenfreien Heilung einher.
Die Operation wird in Blutleere und mit Lupenbrille durchgeführt. Dennoch besteht immer die Gefahr einer Nerven- oder Gefäßverletzung, da das Gewebe die Gefäß-Nervenbündel ummauern kann. Vorübergehende Gefühlsstörungen sind auch durch die Dehnung der Nerven in Folge der Ausgradung des Fingers möglich. Wundheilungsstörungen an den Wundrändern sind ebenfalls häufige Begleiterscheinungen. In der Hand des geübten Handchirurgen sind diese Gesamtrisiken der Operation gering und vertretbar. Warnen möchten wir an dieser Stelle vor einer immer noch angebotenen Röntgenbestrahlung der Handflächen. Hierdurch lässt sich die Erkrankung, wenn überhaupt nur stoppen oder verlangsamen, aber die Funktion wird nicht gebessert. Andererseits wird die Haut für spätere operative Maßnahmen nahezu unbrauchbar geschädigt.

Technik der percutanen Nadelfasziotomie

Vollständige Überstreckfähigkeit nach percutaner Nadelfasziotomie wieder möglich.

 

Anästhesieverfahren
 

Je nach Ausprägungsgrad in axillärer Langzeitplexusanästhesie oder in Vollnarkose durchführbar. Die Operation ist prinzipiell ambulant möglich. Hierzu werden Sie von den Operateuren des Gelenkzentrums Rhein-Main ausführlich beraten.

 

Nachbehandlung
 

Wir verwenden eine fünftägige Spatelschienenversorgung in Streckstellung der operierten Finger. Danach Kompressionsverbände und funktionelle Bewegungsübungen. Nach Wundheilung Eigenübungen im Handbad und Narbenmassagen. Je nach Keloidbildung Silikonauflagen zur Steuerung der Narbenreifung. Eine krankengymnastische Betreuung mit spezieller Erfahrung in der Handtherapie ist sinnvoll und bei stärkerer Ausprägung oder Befall mehrerer Finger empfehlenswert.

 

 

 

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