Offizielle Übergabe des Rapid Recovery Handbuches 

Gruppenfoto bei der offizielle Übergabe des Rapid Recovery Handbuches am Mittwoch, den 12.03.2014 im Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim (GPR) unter Beteiligung der Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Berufsgruppen.

 

Rapid Recovery

Artikel „Vom Operationstisch bald auf die Beine“ aus dem Rüsselsheimer Echo, erschienen am 11. Oktober 2012

GPR-Klinikum – Programm „Rapid Recovery“ soll Patienten nach Hüft- und Knieoperationen schnell wieder mobil machen.

Eine intensive Patientenschulung, hier mit dem Anästhesisten Thilo Hartmann, ist ein wesentlicher Bestandteil des Programm „Rapid Recovery“, das am GPR-Klinikum eingesetzt wird. Foto: Ralph Keim


Wer sich einer Operation zu unterziehen hat, muss sich auf einiges vorbereiten. Offene Fragen sollten geklärt werden, und auch die Zeit und die Maßnahmen nach der Operation sollten klar definiert sein. Im Prinzip will jeder Patient so rasch wie möglich genesen, will sich nicht länger im Krankenhaus aufhalten und an der eventuell notwendigen Reha-Maßnahme teilnehmen als unbedingt notwendig.
Vor diesem Hintergrund wurde an der orthopädischen Klinik des GPR bereits im März dieses Jahres das internationale Programm „Rapid Recovery“ (schnelle Genesung) eingeführt. „Wir sind im Rhein-Main-Gebiet die einzige Klinik, die das Programm nutzt. Es hat sich bestens bewährt“, zog gestern Manfred Krieger, Chefarzt der orthopädischen Klinik, ein erstes Fazit. „Mit dem Programm werden sämtliche Prozesse rund um den Einsatz von Hüft- und Kniegelenk optimiert.“ Europaweit nehmen rund 150 Kliniken an dem Programm teil.
„Es geht dabei nicht darum, den Patienten so schnell als möglich loszuwerden“, versicherte Krieger am Mittwoch bei der sogenannten Patientenschulung vor einem guten Dutzend Männern und Frauen, die demnächst ein künstliches Hüftgelenk oder ein künstliches Knie eingesetzt bekommen. Vielmehr soll der Patient vermittelt bekommen, dass er trotz Operation nicht ans Bett gefesselt ist. „Wer vormittags operiert wird, steht nachmittags schon wieder auf den eigenen Beinen“, verdeutlichte Krieger.
Früher habe der Betroffene tagelang ruhig im Bett liegen müssen. „Mittlerweile wissen wir, dass der Patient damit nur zusätzlich geschwächt wird.“ Eine frühe Mobilisierung des am Knie oder an der Hüfte operierten Patienten sei daher ein wesentlicher Bestandteil von „Rapid Recovery“. Wer früher wieder auf den Beinen stehe, der könne auch umso früher wieder entlassen werden. „Aber wir schicken keinen nach Hause, der sich nicht wohl und sicher fühlt“, bekräftigte Krieger während der Patientenschulung.
Auch soll den Patienten gezielt die Angst vor postoperativen Schmerzen genommen werden. „Wir ermitteln bereits während der Operation, welches Schmerzmittel am geeignetsten ist“, ergänzte der Anästhesist Thilo Hartmann. Wer nach der OP ein Schmerzmittel brauche, müsse nur nach der Schwester klingeln, die die richtige Pille bereits parat habe. In diesem Fall sei es nicht mehr notwendig, erst den Chefarzt zu konsultieren.
Betreut werden die Patienten in kleinen Gruppen. Dies soll auch den Erfahrungsaustausch fördern. Dazu zählen gemeinsames Essen und Physiotherapie. Wer möchte, bekommt einen persönlichen Coach zur Seite gestellt. Nach den Erfahrungen von Chefarzt Krieger und seinem Team ergänze das „Rapid Recovery-Programm“ den Einsatz schonender Operationstechniken optimal.

Rapid Recovery – Schneller wieder fit

Was genau ist eigentlich das Rapid Recovery Programm?

Sie als Patient stehen im Mittelpunkt des Rapid Recovery Programms und sind aktiver Partner Ihres Behandlungsprozesses. Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden stehen bei allen Elementen des Programms im Vordergrund. Durch intensive Schulung und Aufklärung sollen Ihre Ängste reduziert und somit bestmögliche Behandlungsresultate ermöglicht werden. Sie lernen von Beginn an, wie Sie durch aktives Mitwirken Ihren Behandlungsverlauf positiv mitgestalten und so Verantwortung für Ihre Genesung übernehmen können.

Rapid Recovery als Qualitätssystem

Im Rapid Recovery Programm wird auf die Qualität der einzelnen Elemente besonderen Wert gelegt. Ihre bestmögliche Versorgungsqualität wird durch den Einsatz von standardisierten Abläufen ermöglicht. Diese entsprechen dem neuesten medizinischen Stand und bilden alle Aspekte Ihres Behandlungsweges ab. So wird gewährleistet, dass die einzelnen Behandlungsschritte aller beteiligten Fachgruppen auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt und transparent sind. Die interdisziplinären Teams können somit eng zusammenarbeiten.

 Klar definiert sind:

  • Multidisziplinäre Behandlungsprotokolle
  • Schmerzprotokolle
  • Wundmanagement
  • Verweildauer im Krankenhaus
  • Physiotherapie
  • Entlassung in die stationäre oder ambulante Rehabilitation

Sie werden über jeden Behandlungsschritt informiert. Diese Planung ermöglicht Ihnen, sich mit realistischen Erwartungen auf Ihre Operation und die Zeit danach vorzubereiten.

Patientenschule

Etwa ein bis zwei Wochen vor Ihrem Eingriff werden Sie vom Krankenhaus zu einem Informationstag, die sogenannte Patientenschule, eingeladen und ausführlich über Ihren gesamten Behandlungsweg informiert. An diesem Tag sollten Sie zusammen mit einem Begleiter Ihres Vertrauens kommen. Dort lernen Sie in einer Gruppe von ca. vier bis sechs Patienten das Team kennen, welches für Ihre Behandlung zuständig ist. Der Operateur, der Anästhesist, das Pflegepersonal, die Physiotherapeuten und der Sozialdienst stellen sich vor und klären Sie über die jeweiligen Behandlungsschritte in Bezug auf Ihren bevorstehenden künstlichen Gelenkersatz auf. Während dieser ca. vierstündigen Veranstaltung haben Sie die Möglichkeit all Ihre Fragen zu stellen oder Sorgen mitzuteilen, die Sie im Vorfeld Ihrer Behandlung beschäftigen.

Coachprinzip und Gruppendynamik

Bereits während der Patientenschule sollten Sie einen Begleiter (Partner, Verwandter, Freund) mitbringen, der Sie vor, während und nach Ihrer Behandlung mental unterstützt und motiviert. Genauso wie Sie wird Ihr Begleiter intensiv geschult und informiert, damit er Ihnen während der gesamten Zeit rund um den Eingriff zur Seite stehen kann. Nach der Operation treffen Sie die Patienten aus der Patientenschule in dem Rapid Recovery „Wohnzimmer“ und auch in der Physiotherapie wieder. Die gegenseitige Motivation und Unterstützung, die Sie durch die Gleichgesinnten erfahren, wird Ihnen helfen, schnell wieder mobil zu werden.

Geplante Entlassung

Ihre Entlassung wird bereits vor der Aufnahme ins Krankenhaus gemeinsam mit allen beteiligten Fachgruppen geplant und organisiert. Etwa eine Woche nach der Operation können Sie das Krankenhaus entweder nach Hause mit regelmäßiger ambulanter Physiotherapie oder zur stationären Rehabilitation verlassen. Durch die rechtzeitige Planung wird sichergestellt, dass es zu keinen vermeidbaren Verzögerungen in Ihrem Behandlungsablauf kommt. Ziel ist es, Sie bestmöglich auf die Zeit nach Ihrem Krankenhausaufenthalt vorzubereiten, so dass Sie Ihren Alltag so bald wie möglich wieder selbständig meistern können.

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